"Art by the Blind"

Die blinde Künstlerin Eriko Watanabe zeigt, wie dies gelingt

Frau Eriko Watanabe ist eine japanische Künstlerin, die in Japan, den USA, Kanada und Deutschland zu Hause ist und deren Werke bereits in Augsburg, München und Toronto ausgestellt wurden.

Am Montag den 23.9. besuchte sie für zwei Schulstunden den Englischkurs der Q12 von Frau Dr. Winkelmann, um den Schülern und Schülerinnen in englischer Sprache blinde Kunst näherzubringen und mit dem Kurs einen Workshop zu veranstalten. Der Kurs arbeitete im Vorfeld bereits am Thema „Arts/Kunst“ in klassischer oder modern-experimenteller Form und jedes Kursmitglied erstellte ein englisches Portfolio zu einem frei gewählten Kunstwerk.

Zu Beginn der Stunde erzählte Frau Watanabe dem Kurs wie der Alltag einer blinden Person aussieht und zeigte, welche Hilfsmittel zur Verfügung stehen. So konnten die KursteilnehmerInnen z.B. eine taktile Uhr kennen lernen, ein Farberkennungsgerät, das die Farbe von Kleidungsstücken ansagt oder etwa eine Braille-Zeile für den Computer, auf der z.B. Mails in Brailleschrift zeilenweise „gelesen“, d.h. ertastet werden können.

Danach stellte die Künstlerin dem Kurs ihre Kunstwerke vor, die teilweise aus Collagen, teilweise aus in taktile Folien geritzten Elementen bestehen. Gleich danach durften die SchülerInnen sich selbst in einem Workshop am Zeichnen auf taktilen Folien versuchen – natürlich nicht ohne sich vorher die Augen verbunden zu haben! Die Arbeit mit den Folien, fiel dem Kurs nicht allzu leicht, da man die Linien immer wieder mit den Fingern nachfahren musste, um „das Ganze“ nicht aus den Augen zu verlieren. So beschränkten sich die SchülerInnen nach eigenen Worten eher auf simple Motive, die dennoch oft in den Proportionen nicht richtig gelangen, da immer nur ein kleiner Teil der Kunstwerke zu fühlen war.

Danach stellte sich die Frage, wie es blinden Menschen überhaupt gelingt, Kunstwerke wahrzunehmen und Frau Watanabe erklärte, dass immer mehr Museen oder Kirchen Modelle oder Reliefkataloge anfertigen, die Blinde dann ertasten können. In diesem Zusammenhang konnte SchülerInnen des Kurses nun Frau Watanabe und die MitschülerInnen mit Worten anleiten, die Posen der Personen auf den ausgewählten Kunstwerke aus den Portfoliomappen einzunehmen und so Kunst für Blinde „erfahrbar“ zu machen.

Ein großes Danke an Frau Watanabe, die zwei höchst interessante und kurzweilige Stunden gestaltete, in denen uns Sehenden so manches Mal die Augen geöffnet wurden für die Welt von Blinden!

Dr. Sabine Winkelmann

Weitere Bilder mit Beschreibung

Frau Watanabe erklärt die Brailleschrift
Eine Schülerin, die auf taktiler Folie „zeichnet“ – natürlich ohne Farben!
Reliefkatalog: Die große Welle von Hokusai – mit Reliefrändern und Brailleschrift. Eine neue Art von Museumskatalog!
Der Kurs wird in die Pose der Christusfigur von Rio de dirigiert, einem der Kunstwerke aus den Portfolios.
Frau Watanabe stellte sich am Ende der zwei Stunden den Fragen der KursteilnehmerInnen.