Das Schulhaus aus einem anderen Blickwinkel

 

Das P-Seminar Kunst: Die Architektur des Gymnasiums Friedberg in Zeichnung, Fotografie und Malerei

Als ich in der fünften Klasse das erste Mal unser Schulhaus betrat, ging es mir wie vielen Fünftklässlern. Das Gebäude kam mir unvertraut, riesig und unübersichtlich vor. Doch im Laufe meiner Schulzeit wurde das Gebäude vertraut und zu einem Ort, an dem ich einen großen Teil meiner Woche verbringe. Ein Ort, an dem es für mich scheinbar nichts mehr Neues zu entdecken gibt und den ich inzwischen als gewohnte Umgebung wahrnehme.

Im P-Seminar Kunst (2019/21) haben wir uns noch einmal neu mit der Architektur des Schulhauses auseinandergesetzt und unter anderem versucht, einen Teil des Schulhauses in abstrahierter Weise malerisch zu gestalten.

Zunächst waren in unserem Arbeitsprozess zwei Punkte wichtig: Erstens mussten wir Teilnehmer versuchen, das Schulhaus auf eine neue Art und Weise zu entdecken und wieder genau darauf achten, wie wir das Schulhaus wahrnehmen. Dazu hat es vielen von uns geholfen, zum Beispiel Ausschnitte der Schule zu fotografieren. Der zweite Punkt, der uns beschäftigte, war, wie man ein Bild abstrahiert gestalten kann. Deshalb hörten wir zu diesem Thema von den Kursteilnehmer*innen vorbereitete Referate und diskutierten verschiedene Aspekte von Abstraktion.

In der folgenden Zeit haben wir viel experimentiert, verschiedene Techniken und Gestaltungsmöglichkeiten ausprobiert. Jeder entwickelte zum ersten Mal seine eigene Arbeitsweise und während bei manchen das Thema von Anfang an sehr klar war, suchten andere noch nach dem Ort in der Schule, den sie gerne künstlerisch umsetzen wollten. Durch Corona und den Lockdown, der auch eine physische Distanz zum Schulhaus mit sich brachte, wurden wir in unserer Arbeit ausgebremst. Doch trotzdem hatten wir stets Kontakt zu unserer Kunstlehrerin Frau Hanneder und wurden somit motiviert, auch Zuhause an unseren Bildideen weiter zu arbeiten.

Vor den Sommerferien hatten wir dann nochmals einen Block mit Referaten. Diese dienten dazu, einen Überblick über architektonisch interessante Gebäude zu bekommen: vom Bauhaus über den Louvre bis hin zu Hundertwasser war alles mit dabei.

Nach den Sommerferien war für uns eine sehr intensive Arbeitsphase, da die Themenfindung nun endgültig abgeschlossen war und wir so fokussiert arbeiten konnten. Ein besonderes Highlight des Seminars war auch der Bau und die Bespannung von Keilrahmen, wofür wir uns zu Beginn des Schuljahres einen Nachmittag Zeit genommen haben.

Mit dem Portfolio und der Realisierung einer Ausstellung mit ausgewählten Arbeiten im Schulhaus endete unser Arbeitsprozess. Zwar hatten wir uns während des Seminars viel über unsere Arbeiten ausgetauscht, trotzdem war es bei der schlussendlichen Umsetzung der Ausstellung sehr spannend zu sehen, wie unterschiedlich einzelne Leute das Thema aufgefasst und umgesetzt hatten. Jeder setzte seinen eigenen Fokus und während die einen sich mehr auf Fotografie und Bleistiftzeichnungen konzentriert hatten, hatten andere viel mit Aquarell oder Acrylfarbe gearbeitet.

Und auch wenn unsere Ergebnisse alle unterschiedlich sind, eine Sache haben wir doch alle gemeinsam: Wir alle haben das Schulhaus noch einmal aus einer ganz anderen Perspektive gesehen und nochmal genau auf Details geachtet, die uns vorher nie aufgefallen waren – und das in der 12. Klasse.

Helena Gunzl, Q12