Unser Schulhund Josie

Im Klassenzimmer auf vier Pfoten

Die vier Pfoten gehören Josie, unserer nun 10-jährigen Collie-Mischlingsdame, die in diesem Schuljahr ihr fünftes Dienstjahr bei uns an der Schule absolvierte und wieder eine 5. Klasse „hütet“. An ein bis zwei Tagen begleitet Josie meine Schüler der Unterstufe im Englisch oder Französischunterricht und sie zaubert ihrem „Rudel“ jedes Mal ein Lächeln ins Gesicht, wenn die Kinder das Klassenzimmer betreten.

Was macht ein Hund in der Schule? Vor Stundenbeginn wird der „Hundedienst“ der Klasse aktiv, d.h. ein Schüler oder eine Schülerin richtet Napf und Liegeplatz für Josie und Seife und Desinfektionsmittel für die Klasse her. Den Liegeplatz hat sie allerdings bis jetzt hartnäckig ignoriert, da sie lieber neben den SchülerInnenn liegt oder unter der Tafel ein Schläfchen hält. Wenn Josie dann anfängt zu schnarchen, findet das die Klasse immer sehr lustig! Durch die Aufgaben des Hundedienstes lernen die Schüler Verantwortung für Josie und ihre Mitschüler zu übernehmen.

Aber nicht nur Josie muss Regeln befolgen, sondern die Klasse hält sich ebenfalls an die Leitlinie „Ein Hund, ein Kind!“. Die Kinder fordern dies auch untereinander ein und es findet so durch Josie soziales Lernen statt. Auch darf Josie im Klassenzimmer nicht angelockt werden, oft legt sie sich jedoch neben Schülern ab, die in diesem Moment besondere Zuwendung brauchen, etwa weil sie traurig sind, und dann darf Josie natürlich auch gestreichelt werden.

Neben Phasen dieser freien Interaktion, in denen Josie sich im Klassenzimmer bewegen darf gibt es aber auch Phasen der gelenkten Interaktion, z.B. wenn sie als Lesehund eingesetzt wird – die Schüler lesen ihr dann französische oder englische Texte vor, oder bei der Einführung der Befehlsform im Englischen etwa für das Kommando „Sitz! Sit!“ – so viel Englisch hat Josie bereits gelernt. Vor kurzen haben wir im Englischunterricht Szenen aus dem Alltag gefilmt und Josie war der große Filmstar in einigen Gruppen. Nach Unterrichtsschluss, wenn die Klassenzimmertüre aufsteht, besuchen uns manchmal auch Schüler anderer Klassen, um mit Josie Kontakt aufzunehmen, was uns beide immer freut.

Welche Wirkeffekte werden durch die hundegestützte Pädagogik erzielt? Eltern berichteten dass ihre Kinder lieber zur Schule gehen, wenn „Josie-Tag“ ist. Der rücksichtvolle Umgang miteinander wird gefördert  und Ängste werden abgebaut – die Schüler berichteten, dass sie durch die Anwesenheit von Josie viel ruhiger sind. Stille Schüler gehen mehr aus sich heraus und aktivere Schüler halten sich mit Josie im Klassenzimmer mehr zurück. Dabei ist der Kontakt zu Josie immer freiwillig, wie auch der Hundedienst, d.h. kein Kind muss mit dem Hund interagieren. Ich beobachte selbst, dass wenn ich mit Josie an der Leine durchs Schulhaus gehe, Josie magische Anziehungskraft ausübt und sich alle Augen auf sie richten. Der Mensch an der Leine verschwindet als „Lehrer“ und neue Zugänge oft auch zu unbekannten Schülern öffnen sich und dies ist beeindruckend.

In Feedbackrunden von Eltern und Schülern wurde nur von positiven Erfahrungen berichtet und alle Beteiligten sehen den Einsatz von Josie in unserem Unterricht als großen Gewinn an, denn:

Die Augen eines Hundes sprechen eine besondere Sprache, die direkt aus dem Herzen kommt.

Dr. S. Winkelmann