Religion erleben

Tage der Orientierung in Josefstal mit der 10de

Als sich die Gruppe der evangelischen SchülerInnen der Klassen 10 de zusammen mit ihren Lehrern, Frau Lachmair und Herr Spliesgart, am Mittwoch nach der dritten Stunde, zum Start der Tage der Orientierung traf, wusste noch keiner so recht, was sie oder ihn erwarten würde. „Besinnungstage – da quatschen wir halt so rum.“, „Sicher werden wir viel Spaß haben!“, „Auf jeden Fall besser als Unterricht...“ – das gibt in etwa die Stimmung wieder, als wir uns, ausgerüstet mit Wanderschuhen und Rucksäcken, auf den Weg zum Bahnhof Friedberg machten.

Nach zwei Stunden Fahrt mit Regional- und Bayrischer Oberlandbahn sowie einem halbstündigen Fußmarsch waren wir in einer „anderen Welt“ angelangt: Das Studienzentrum für evangelische Jugendarbeit liegt am Ende von Josefstal am Fuße des Mangfallgebirges auf einem verträumten Waldgrundstück. Und damit ist auch schon beschrieben, was es mit den Tagen der Orientierung auf sich hat. Während es in der Schule doch meist um Wissen und Leistung geht – auch im Religionsunterricht –, wollten wir hier einfach mal unsere Seelen baumeln lassen. „Lasst uns auf keinen Fall an die Schule denken!“ – hatte sich schnell als Motto durchgesetzt.

Zusammen mit Lisa und Jan, zwei ausgebildeten Jugendleitern, konnten die SchülerInnen über sich selbst, ihre gegenseitigen Wahrnehmungen, Freundschaft und Anderes reflektieren, Aufbrüche und Veränderungen im eigenen Leben zum Thema machen. Das Wetter passte sich unserer guten Stimmung recht bald an, so dass es möglich war, viele Einheiten bei strahlendem Sonnenschein in die freie Natur zu verlegen. Einige besonders Mutige wagten sogar ein Bad in den Josefstaler Wasserfällen. Wärmer war es dagegen am nächtlichen Lagerfeuer, stimmungsvoll beim gemeinsamen Singen alter und neuer Schlager am Abend. So wurden in den beiden Tagen alle Sinne angesprochen und die Gruppe konnte viele gemeinsame Erfahrungen machen, die sicher keiner, der dabei war, jemals vergessen wird. Geradezu unglaublich ist, wie leicht es allen Schülern fiel, zwei Tage ohne Beschäftigung mit dem Smartphone zu überleben. 

Am Freitag war es dann schwer, Abschied von Josefstal zu nehmen. Eine gemeinsame Reflexionsrunde bildete den Abschluss: „Können wir nicht noch länger bleiben?!“, „Haus und Leute: einfach super!“, „Ich hätte nie gedacht, dass wir so viel und ernsthaft arbeiten würden und es trotzdem nicht anstrengend war!“

Die zwei Tage der Orientierung in Josefstal waren für alle wertvoll: Religion konnte einmal von der praktischen Seite erlebt werden. Was bleibt, ist die Erfahrung, dass es möglich ist, einen Raum für spirituelle Erfahrungen aufzuschließen: im Zusammenspiel von Thema, Menschen und einem wundervollen Ort. So gestärkt, kehren SchülerInnen und Lehrkräfte wieder zurück in ihren Schulalltag.

Dr. Roland Spliesgart