Naturwissenschaftlich-technologisches, Sprachliches und Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Gymnasium mit sozialwissenschaftlichem Profil

Neunte Klassen besuchen im Rahmen des Religionsunterrichts Augsburger Synagoge

Für die neunten Jahrgangsstufen schreiben die Fachlehrpläne in Katholischer und Evangelischer Religionslehre die Beschäftigung mit dem Judentum vor. Der Fachlehrplan für Katholische Religionslehre führt im Themenkreis 9.2 „Das Judentum: Weltreligion und Wurzel des Christentums“ dazu näher aus: „Die Schüler haben bereits Kenntnisse über das Alte Testament und seine Freiheitsgeschichte, ungewohnt ist für sie der Blickwechsel auf die jüdische Religion. Ausgehend von jüdischen Spuren in unserem Kulturraum befassen sich die Jugendlichen mit dem Reichtum des jüdischen Glaubens und Lebens. Dabei wird ihnen deutlich, dass das Christentum in seiner Wurzel mit dem Judentum verbunden ist. Vor diesem Hintergrund setzen sie sich mit der Unheilsgeschichte religiöser Verurteilung, Verfolgung und Schuld auseinander und lernen Ansätze für versöhntes Miteinander kennen.“

Wenn es darum geht, diese übergeordnete Zielbeschreibung unterrichtlich nachhaltig fruchtbar zu machen, kann dies für einen zeitgemäßen Unterricht nur bedeuten, dass er, neben der eingehenden Beschäftigung mit den entsprechenden Inhalten und Zielen im Klassenzimmer, die direkte Begegnung an originalen Stätten suchen, sich zum jüdischen Leben vor Ort aufmachen muss, um wirkliche und prägende Erfahrungen zu ermöglichen. Was bietet sich da in unserem Raum mehr an, als die bekannte Augsburger Synagoge, erbaut zwischen 1913 und 1917, und das sich im selben baulichen Ensemble befindende jüdische Kulturmuseum Augsburg-Schwaben zu besuchen? Aus genau diesen Grund verbrachten die Klassen 9 b und d am 18.05. und die Klassen 9a und c am 19.05. mit ihren jeweiligen Religionslehrerinnen und Religionslehrern je einen Vormittag im Synagogenbau an der Augsburger Halderstraße. Unsere Schülerinnen und Schüler durften hier einen konkret verorteten Unterricht anderer, sicher einprägsamerer Art erleben, den das dortige museumspädagogische Fachpersonal hielt, besser gesagt, ebenso aufschlussreich wie kurzweilig und explorativ arrangierte.

Da gab es einerseits eine Synagogenführung, die alle Schülerinnen und Schüler erhielten. Neben einer schülernahen, sehr interessanten, gehaltvollen Erklärung der Hauptsynagoge, ihrer Baugeschichte mitsamt der reichen Symbolik des Bauwerks, hatten die Neuntklässler Gelegenheit, weitergehende einschlägige Nachfragen an den jeweiligen Museumspädagogen zu richten. Art und Anzahl der gestellten Fragen verrieten ein wirklich großes Interesse unserer Schüler, hier vor Ort noch tiefer zu blicken und weitergehende Zusammenhänge kennen lernen zu wollen. Hocherfreut waren wir Lehrkräfte auch darüber, wie ehrfurchtsvoll und sicher sie hier im Kultuszentrum der Israelitischen Kultusgemeinde Schwaben-Augsburg zu agieren wussten.

Den anderen Teil des Vormittags machte jeweils der museumspädagogische Teil im jüdischen Kulturmuseum Augsburg-Schwaben aus. Dafür konnten die Lehrkräfte aus folgenden vier Themenbereichen im Vorfeld auswählen: 1. Gebote und Bräuche im Leben religiöser Juden, 2. Die nationalsozialistische Judenverfolgung und ihre Auswirkungen auf das Leben der Augsburger Juden, 3. Die Geschichte des jüdischen Lebens in Augsburg, 4. Hebräisch-Schnupperkurs. Für die Klassen 9 a und c wurden daraus die Themenbereiche 2 und 3 gewählt, welche die Schüler alternativ, bei in etwa gleich großen Gruppen, besuchen konnten. Nach einem jeweils das Vorwissen der Schülerinnen und Schüler aktivierenden gemeinsamen Einstieg mit anschaulichen Input-Phasen durch die Museumspädagogen, welche die nötigen grundlegenden, Verständnis ermöglichenden Informationen vermittelten, ging es weiter mit einer selbsttätigen Arbeitsphase in arbeitsteiligen Gruppen. Darin galt es, auf der Grundlage konkreter Arbeitsaufträge aus den zahlreichen Exponaten im Museumstrakt, mitsamt dort vorfindlichen Erläuterungen und Lebensgeschichten bzw. Schicksalen, die nötigen Inhalte zu erschließen, zu vernetzen und zu strukturieren. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse mussten die Schülerinnen und Schüler dann in einem Gruppenraum auf Plakate notieren sowie mit bereitgestelltem Bildmaterial illustrieren. Bereits in diesen Phasen des entdeckenden und strukturierenden Lernens herrschte produktive und kooperative Betriebsamkeit bei unseren Neuntklässlern. Die danach folgenden, tiefgehenden, gehaltvollen und gewandten Präsentationen der jeweiligen Arbeitsergebnisse, direkt vor den zentralen Exponaten der entsprechenden Aufgabenstellung im Museum selbst, machten Museumspädagogen wie begleitenden Lehrkräften gleichermaßen deutlich, dass sich unsere Schülerinnen und Schüler sehr intensiv mit den originalen Schriftstücken, Lebensläufen, Einzelschicksalen, Bildern und Gegenständen auseinandergesetzt hatten. Da waren wahre „Expertengruppen“ am Präsentieren.

Ein herzliches Dankeschön sei an dieser Stelle den Museumspädagogen gesagt, die mit großer Freundlichkeit und Flexibilität den Schülerinnen und Schülern, aber auch uns Lehrkräften, an diesen beiden Vormittagen eine ebenso inhaltsreich-schülergerechte wie nachhaltige und abwechslungsreiche Vertiefung unseres Themenkreises in der Begegnung direkt vor Ort ermöglicht haben.

In der unterrichtlichen Nachbereitung der Exkursion zeigten sich unsere Schülerinnen und Schüler immer noch tief beeindruckt von den Stunden in der Synagoge und im jüdischen Kulturmuseum. Wenn es auch unterschiedliche Dinge sind, die in ihnen nachwirken, sie bewegen und zum weiteren Denken anregen, so stimmten sie doch alle in einer Meinung überein: Der Tag in der Augsburger Synagoge und im benachbarten Museum muss in Zukunft zur ungebrochenen Tradition werden.

R. Schmid, StD